← Zurück
Eine Hand greift im Dunkeln nach grinsenden Packungen voller Siegel, die hinten schon zerfallen.

III · Die Werbeversprechen

Sieht aus wie ein Orden. Ist oft nur Druckfarbe.

Gold. Häkchen. Schleifen. Sterne. „Premium". „Geprüfte Qualität". „Ausgezeichnet".

Eine Packung, die aussieht, als hätte sie einen Krieg gewonnen.

Und du denkst: Wenn so viele Leute das geprüft haben, wird's schon passen.

Weißt du, wer die meisten dieser Orden verliehen hat? Die Firma sich selbst.

Ein Siegel ist nur so viel wert wie die Stelle, die dahintersteht. Und bei vielen steht niemand dahinter. Nur ein Grafiker mit einem Goldverlauf.

Die drei Sorten Siegel

Die echten.

Hinter ihnen steht ein Gesetz oder eine unabhängige Kontrolle, und wer sie missbraucht, bekommt richtig Ärger. Das EU-Bio-Logo zum Beispiel, das grüne Blatt aus Sternen. „Bio" und „Öko" sind in der EU geschützte Wörter. Die darf nicht jeder benutzen.

Die halbechten.

Echte Organisationen, echte Regeln, aber du musst wissen, was sie eigentlich prüfen. Manche Auszeichnungen bekommt ein Großteil der Produkte, die überhaupt eingereicht werden. Ein Preis, den fast jeder gewinnt, ist kein Preis. Das ist eine Teilnahmeurkunde.

Die erfundenen.

Ein Kreis, ein Häkchen, „Qualitätsversprechen", „Natur pur", „Aus Liebe zur Region". Kein Prüfer. Keine Regel. Keine Kontrolle. Nur Design, das so tut, als wäre es ein Amt.

Ab dem 27. September wird's eng für die dritte Sorte

Ab dem 27. September 2026 gilt in der ganzen EU: Nachhaltigkeitssiegel sind nur noch erlaubt, wenn ein richtiges Zertifizierungssystem mit unabhängiger Kontrolle dahintersteht oder eine Behörde sie vergibt. Selbst gebastelte Umweltsiegel sind dann verboten. Genau wie „klimaneutral", nur weil irgendwo ein paar Bäume als Ausgleich gepflanzt wurden.

Das heißt: Jahrelang durften sie. Jetzt nicht mehr. Und alles, was bis dahin gedruckt wurde, liegt trotzdem noch im Regal.

Wenn dir ab jetzt ein grünes Fantasiesiegel ohne erkennbaren Prüfer begegnet, hast du eine Packung aus der alten Zeit in der Hand. Oder eine Firma, die es drauf ankommen lässt.

Wörter, die nichts kosten

„Regional"

Ist kein geschützter Begriff. Keiner schreibt vor, wie weit weg regional ist. Die Region kann ein Dorf sein oder halb Europa.

„Premium", „Gourmet", „Meisterqualität"

Darf jeder draufschreiben. Die kosten nichts außer ein bisschen goldene Farbe. Du zahlst sie trotzdem mit.

„Testsieger"

Muss belegt sein. Wer mit einem Testergebnis wirbt, muss angeben, wer getestet hat und wann. Steht da nur „Testsieger" ohne Quelle, frag dich, warum sie dir die Quelle nicht zeigen wollen.

So prüfst du ein Siegel in zehn Sekunden

Von mir

Ich hab aufgehört, mich von glänzenden Orden beeindrucken zu lassen. Heute frage ich bei jedem Siegel nur noch eins: Wer prüft hier eigentlich wen? Wenn die Antwort „die Firma sich selbst" lautet, geht die Packung zurück ins Regal.

Und zwar mit Schwung.

Glaub mir nicht. Lies nach.

Richtlinie (EU) 2024/825 („EmpCo"), umgesetzt im UWG, gilt ab 27. September 2026: Nachhaltigkeitssiegel nur mit Zertifizierungssystem oder staatlich, Verbot allgemeiner Umweltaussagen und der Klimaneutralität durch Kompensation · Verordnung (EU) 2018/848: EU-Bio-Logo und Schutz der Begriffe „Bio" und „Öko" · Rechtsprechung zur Werbung mit Testergebnissen: Fundstelle muss angegeben werden