Fluorid steckt im Salz. In der Zahnpasta. Im Tee. Im Mineralwasser.
Jede Quelle für sich: erlaubt, geprüft, harmlos.
Und zusammenzählen? Macht keiner. Ist auch keiner für zuständig.
Also machen wir das jetzt.
Zähl mit
Im Salz
Fluoridiertes Speisesalz darf bis zu 310 Milligramm Fluorid pro Kilo enthalten, meist sind es 250. Steht in fast jedem Supermarkt, oft im Doppelpack mit Jod, und wird dir als Vorsorge verkauft. Hier wird wirklich etwas zugesetzt.
In der Zahnpasta
1000 bis 1500 ppm in jeder normalen Tube. Erwachsene spucken aus. Kleine Kinder nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt es selbst: Ein Kind nimmt über verschluckte Zahnpasta ungefähr so viel Fluorid auf wie über eine Tablette.
Im schwarzen Tee
Von Natur aus. Kein Vorwurf, keine Absicht. Nur eine weitere Zeile in einer Rechnung, die keiner aufstellt.
Im Mineralwasser
Hier muss ich was geraderücken, das im Netz falsch herumläuft: In Mineralwasser wird Fluorid nicht zugesetzt. Es ist von Natur aus drin, und zusetzen darf es auch keiner. Der Satz, der wirklich wehtut, ist ein anderer: Bis 1,5 Milligramm pro Liter muss der Gehalt gar nicht aufs Etikett. Steht er auf einer Flasche, haben die es freiwillig hingeschrieben. Bei allen anderen weißt du es schlicht nicht.
Nicht heimlich beigemengt. Nur legal verschwiegen.
Was die Behörden selbst sagen
- Es gibt eine Obergrenze. Die europäische Behörde setzt sie für Kinder von einem bis drei Jahren bei 1,5 Milligramm am Tag an. Für Vier- bis Achtjährige bei 2,5.
- Es gibt einen Schaden. In Deutschland zeigen 10 bis 22 Prozent der Schulkinder leichte Zahnfluorose, weiße Flecken, die entstehen, wenn während der Zahnbildung zu viel Fluorid ankommt. Keine Prognose. Eine Erhebung.
- Und es gibt eine Warnung. Das BfR empfiehlt ausdrücklich, bei Säuglingen und Kleinkindern nur eine einzige Form der Fluoridgabe zu wählen. Wird mit fluoridierter Zahnpasta geputzt, sollen die Tabletten weg.
Lies das nochmal.
Die Behörde weiß, dass sich die Quellen addieren. Sie sagt es sogar. Und dann geht dieselbe Familie einkaufen: fluoridiertes Salz, weil es gesund klingt. Wasser, das seinen Gehalt nicht angeben muss. Zahnpasta, die das Kind halb schluckt.
Und keiner hat irgendwas falsch gemacht.
Jedes Teil ist geprüft. Die Summe prüft keiner.
Und das Leitungswasser?
Jetzt muss ich einer Geschichte den Boden wegziehen, die im Netz kursiert. Obwohl sie in meine Richtung ginge.
In Deutschland wird das Trinkwasser nicht fluoridiert.
Über 90 Prozent der deutschen Leitungswässer liegen unter 0,3 Milligramm pro Liter. Die große Wasser-Geschichte ist amerikanisch. Wer sie hier erzählt, hat sie übersetzt, nicht nachgeprüft.
Was 2024 wirklich passiert ist: Das amerikanische National Toxicology Program kam nach Auswertung der Studien mit mittlerer Zuversicht zu dem Schluss, dass Belastungen über 1,5 Milligramm pro Liter mit niedrigerem IQ bei Kindern zusammenhängen. Für niedrige Werte reichten die Daten ausdrücklich nicht. Deutsches Leitungswasser liegt weit darunter.
Und genau deshalb sag ich's dir: Wenn ich dir hier widerspreche, obwohl es meine These stützen würde, dann weißt du, was der Rest dieser Seite wert ist.
Das Problem ist nicht die Leitung. Das Problem ist die Addition.
Prüf es selbst
- Salz: Steht "mit Fluorid" auf der Packung? Dann weißt du, dass eine Quelle dazukommt.
- Mineralwasser: Steht kein Fluoridgehalt drauf, heißt das nicht null. Es heißt nur: unter 1,5 Milligramm pro Liter, und genau weiß es keiner.
- Leitungswasser: Dein Wasserversorger oder das Gesundheitsamt nennt dir den Wert für deinen Ort. Eine Mail reicht.
- Kinder: Zähl alle Quellen zusammen, bevor noch eine dazukommt. Das rät dir sogar die Behörde.
Glaub mir nicht. Lies nach.
NTP-Monografie 2024 zu Fluorid und Neuroentwicklung · BfR, "Fluorid – ein wichtiger Baustoff für die Zähne" und "Für gesunde Zähne" · EFSA, tolerierbare Obergrenzen für Fluorid · DGE-Referenzwerte Fluorid · LGL Bayern zur Kennzeichnungspflicht bei Mineralwasser